Milliardenbetrug
Madoffs Schecks für gute Freunde
Der mutmaßliche US-Anlagebetrüger Bernard Madoff wollte offenbar in letzter Minute viel Geld in Sicherheit bringen. Das könnte Untersuchungshaft für ihn bedeuten Bei der Ergreifung Madoffs hätten die Ermittler in dessen Schreibtisch Schecks über insgesamt 173 Millionen Dollar gefunden, die der 70-Jährige anscheinend kurz vor Bekanntwerden des Skandals an Freunde und Familienmitglieder verschicken wollte.
Das teilten Anklagevertreter am Donnerstag mit. Kürzlich hatte der unter Hausarrest stehende Wall-Street-Veteran Juwelen und andere Wertgegenstände an Freunde verschickt. "Das zeigt den anhaltenden Versuch, Nahestehenden auf Kosten der Opfer Vorteile zu verschaffen", erklärten die Ankläger, die Untersuchungshaft für Madoff fordern. Der Richter werde darüber voraussichtlich am Freitag oder am Montag entscheiden, sagte ein Sprecher. Derzeit steht Madoff unter Hausarrest, außerdem musste er eine hohe Kaution hinterlegen.
Bereits 2007 hat Madoff laut Reuters-Informationen 160 Millionen Dollar an eine Tochterfirma in Großbritannien verschoben. Wie aus Firmenpapieren hervorgeht, ließ der Finanzjongleur seiner Firma Madoff
Securities International durch die Zuteilung neuer Aktien in zwei Schritten insgesamt knapp 50 Millionen Pfund zukommen. Außerdem habe er im Rahmen eines Kreditgeschäftes Aktienpakete erhalten. Madoff wird vorgeworfen, Investoren mit einem Schneeballsystem um bis zu 50 Milliarden Dollar betrogen zu haben. Zu den potenziellen Opfern zählen Banken und Fonds, aber auch Universitäten und Wohltätigkeitsorganisationen.
Zahlreiche Anlage-Opfer wollen Fonds und Banken wegen mangelhaftem Schutz und fehlerhaften Informationen über ihr Engagements bei Madoff verklagen. Am Donnerstag kündigte die Investoren-Gruppe Deminor Klagen gegen die Großbanken UBS, HSBC und andere Institute an. "Die Menschen vergegenwärtigen sich nun die Verantwortlichkeit der Depotbanken, die nicht ausreichend geprüft haben, was sie in ihren Beständen haben", sagte Deminor-Leiter Fabrice Remon zu Reuters. Wird Madoff verurteilt, muss er mit einer Haftstrafe von bis zu 20 Jahren rechnen.